Die Unreinheit der Frau

Gestern in der Parashalesung „Nasso- Erhebe“ (4. Mose 4,21 – 7, 89) haben wir in Kapitel 5 gelesen:

„Gebiete den Israeliten, dass sie aus dem Lager schicken alle Aussätzigen und alle, die einen Ausfluß haben und die an einem Toten unrein geworden sind. Männer wie Frauen sollt ihr hinausschicken vor das Lager, dass sie nicht das Lager unrein machen, darin ich unter euch wohne.“ 4. Mose 5, 2-3

Einer Auslegung zufolge wurden so alle menstruierenden Frauen aus dem Lager geschickt. Wir stellen uns also eine Familie vor, mit mehreren Kindern. Jeden Monat, wenn die Mutter ihre Tage bekommt zieht sie aus und verlässt ihre Hütte für mindestens eine Woche. Nun fragen wir uns doch beim Lesen eines biblischen Textes immer: Warum wurde das geschrieben? Wie setze ich es in meinem Leben um? Und dergleichen mehr.

Das Heiligtum befand sich in der Mitte des Lagers und sollte nicht entweiht werden. Auch heute wird es in vielen Völkern noch so gehandhabt. Als die äthiopischen Fallachinnen in Israel einwanderten wunderten sie sich sehr, dass die Frauenhäuser für diese Zeit fehlten.

Später aber, als Israel im Land wohnte wurde es eigentlich schon nicht mehr so gemacht.

Allerdings durfte man in der Zeit der Unreinheit, ( besser bezeichnet als Nidda, sie ist abgesondert), nicht den Tempel betreten und selbstverständlich immer noch keinen ehelichen Verkehr haben und musste noch viele andere Regeln beachten.

Interessanterweise sagt Raschi (Rabbi Schlomo Jitzchaki 1040 -1105), dass seit der Tempelzerstörung alle Menschen unrein geworden sind durch Berührung mit Grabstätten, Reptilien und anderem mehr und erst die messianische Zeit die Reinigung bringen wird. (Besonders deshalb, weil für einige dieser Verunreinigungen in unserer Zeit kein alttestamentliches Reinigungsmittel zur Verfügung steht: zum Beispiel fehlt die Asche der roten Kuh etc.)

Für uns, die an den Mashiach Jeshua glauben ein sehr interessanter Gedanke.

Als Jeshua auf dieser Erde wandelte gab es eine mutige Frau, der wir eine wichtige Erkenntnis zu verdanken haben.

Wir finden sie in Matthäus 9, Markus 5 und Lukas 8. Ihr Name wird nicht genannt. Diese Frau hatte seit 12 Jahren ihre Blutung. Sie hatte seit 12 Jahren den Tempel nicht betreten, nicht mit ihrem Mann geschlafen, sie durfte anderen nichts reichen, niemanden berühren. Niemand nahm sie in den Arm und dazu kam, dass sie auf Grund des ständigen Blutverlustes auch körperlich geschwächt sein musste. Ihre Eisenwerte waren im Keller und auch ihre Ersparnisse aufgebraucht, so berichtet die Bibel:

„…Und hatte viel erlitten von vielen Ärzten und all ihr Gut dafür aufgewandt und es hätte ihr nichts geholfen, sondern es war noch schlimmer geworden mit ihr.“ Markus 5, 26

In der Bibel muss eine Sache immer durch 2 oder 3 Zeigen bestätigt werden und so haben wir hier innerhalb weniger Verse zwei Frauen. Die Tochter des Jaìrus. Sie ist 12 Jahre alt und tot. Und diese Frau. Sie ist seit zwölf Jahren unrein. Und mittendrin der Mashiach Jeshua. Die zwölf ist eine wichtige Zahl, die uns aufhorchen lassen sollte. Zweimal zwölf ist etwas wie ein himmlisches Alarmsignal!

Das himmlische Jerusalem hat 12 Grundsteine das sind die zwölf Apostel und es hat 12 Tore nach den zwölf Stämmen benannt. Nicht anders herum wohlgemerkt! Siehe Offenbarung 21, 12 – 14.

Vor dem Thron stehen 24 Älteste.

Diese beiden Frauen repräsentieren den Zustand seiner Braut. Denn sie stehen für ganz Israel, alle 12 Stämme, und alle die eingepfropft wurden. Sie symbolisieren die Gemeinde, die Braut des Mashiach. Und wie ist ihr Zustand? Ganz sachlich und nüchtern: unrein und tot.

Ganz genau so wie Raschi es sah. Alle sind unrein. Und dann kommt ER, der Mashiach. Er ist der einzige, der heute reinigen kann! Er ist unsere Erlösung und unsere Befreiung!

Diese Frau hängt sich an den Saum seines Gewandes.

Sacharja prophezeite schon lange vorher, dass sich in späterer Zeit:

„…zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden einen jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist.“ Sacharja 8, 23

Die Zipfel des Gewandes sind die Zizith, Schaufäden genannt in manchen Bibeln. Sie sind der heiligste Teil des Gewandes und sollen an Gottes gute Gebote erinnern.

Nun ergreift hier eine Frau diese Zizith von Jeshua. Sie tut das, weil sie glaubt.

„Denn sie sagte sich: Wenn ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund.“ Markus 5, 28

Genau wie diese zehn Männer aus der Prophezeiung die Zizith ergreifen aus Glauben, so auch diese Frau.

Sie ergreift diese Zizith, weil sie glaubt, dass er Kraft und Vollmacht hat dieses Wunder an ihr zu vollziehen. Halleluja! Diesen Glauben wünsche ich uns Allen!

Normalerweise hätte diese Berührung einen jüdischen Mann rituell unrein gemacht. Bei Jeshua jedoch passiert das Gegenteil. Seine Heiligkeit hebt jede Unreinheit auf. Sie wird sofort heil und gesund. Jeshua bestätigt das:

„Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.“ Markus 5, 34

„Meine Tochter“ sagt er. Kein Tadel. Nur Liebe, Annahme und Heil.

Bei dem Töchterchen des Jaìrus führt er die Berührung sogar selbst herbei, die einen jüdischen Mann verunreinigt hätte. Er berührt das tote Kind. Aber dann lebt es.

So wie Raschi es sagte, in messianischer Zeit wird die Unreinheit einmal aufgehoben werden!

Natürlich kommt das messianische Zeitalter erst, wenn Jeshua von Jerusalem aus regieren wird. Aber wir haben diesen Vorgeschmack schon jetzt und erleben sein Wirken hier auf der Erde schon stückchenweise. Wir wunderbar wird es erst sein, wenn die Fülle da ist!

Der Messias reinigt uns und stellt uns wieder her. Das wird hier zweimal durch diese Frauen bestätigt!

Meine persönliche Meinung dazu ist also, dass wir im Messias rein sind. Sicherlich wird doch niemand sagen, dass der heilige Geist die menstruierende Frau verlässt und erst wieder kommt, wenn ihre Blutung vorbei ist. Deshalb denke ich dass wir an den Gottesdiensten teilnehmen dürfen. Übrigens sagen das auch die halachischen Vorschriften. Eine Nidda darf die Synagoge besuchen. Auch aus der Schrift dürfen Unreine lesen. Ehelicher Verkehr ist natürlich nicht gestattet.

Was soll uns diese Zeit der Blutung lehren?

Ich denke, dass dieses monatliche Zeichen eine wunderbare Erinnerung ist im Leben der beiden Eheleute. Erstens betrifft diese Zeit ja indirekt auch den Mann und zweitens ist ja auch er unrein, wenn er einen Samenerguss hatte. Sie lernen, dass wir immer wieder unrein werden.

Sie lernen, dass es ihre Bestimmung ist, auch geistlich Leben hervorzubringen. Durch die Worte, die sie sprechen, durch ihr Tun und ihr ganzes Leben.

Eine sehr schön anschauliche Auslegung dazu habe ich in dem Buch: „Endzeitprophetie“ von Joerg Smits gefunden. Er zeigt, dass die Braut bereitet ist, wie es in Offenbarung 19, 7-8 steht:

„Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lamnes ist gekommen und sein Weib hat sich bereitet. Und es ward ihr gegeben dass sie sich kleide in feine Leinwand glänzend und rein, denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen.“

Der Messias erlöst uns und ihm ihm sollen wir so leben, dass wir gute Taten hervorbringen. Wir alle arbeiten gemeinsam an diesem Brautkleid. Joerg Smits schreibt dazu:

„Im Fall der Gemeindebraut tut der Einzelne auch das, was er tut nicht in erster Linie für sich, sondern für das Kleid der Braut in ihrer Gesamtheit, also für alle Gläubigen.“

Wir gemeinsam wirken an diesem Gewand. Wir sollen uns darin unterstützten und ermutigen. Das tun in erster Linie Mann und Frau in der Ehe und wir als Gläubige lernen das untereinander zu tun.

Die Ehe ist ein so wichtiges Übungsfeld. Schon aus diesem Grund sollte klar sein, dass nur ein Mann und eine Frau zusammen gehören. Gemeinsam gilt es Unreinheit auszuhalten, einander zu unterstützen, füreinander und miteinander zu beten, einander auf dem Weg der Heiligung zu begleiten.

Deshalb schreibt Paulus auch:

„Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau…. 1. Thimotheus 3, 2

„Aber um Unzucht zu vermeiden, soll jeder Mann seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann.“ 1. Korinther 7, 2

Im Epheserbrief beschreibt Paulus, dass der Mann das Haupt der Frau ist, so wie der Messias das Haupt der Gemeinde. Ebenso wenig, wie der Messias zwei Bräute hat, hat ein Kopf zwei Körper.

„So sollen die Männer ihre Frauen lieben, wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.“ Epheser 5, 28

Diese Verse und auch die goldene Regel („Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch.“ Matthäus 7, 12) zeigen doch ganz deutlich, dass EIN Mann und EINE Frau zusammen gehören. Sicherlich würde es kein Mann gut finden, wenn seine Ehefrau noch einen anderen Mann hat und Konflikten aus dem Weg geht, indem sie sich dann eben dem Anderen zuwendet und ihre Bedürfnisse dort befriedigt. Solche Ideen widersprechen dem göttlichen Prinzip des Ein- Fleisch -Werdens.

Das ist ein schwieriger Prozess, der viel Arbeit und Mühe kostet. Aber auch viele schöne Früchte hervorbringt und reichen Lohn.

Dadurch werden wir geformt und wachsen auf dem Weg zu unserem Messias hin. Andere Wege hingegen nähren das Fleisch und den Egoismus. Und diese Dinge sollten wir mit der Hilfe des Ewigen bekämpfen und besiegen.

Amen!

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