Wohin gehöre Ich? Teil II

Als ich ein Teenager war, las ich meine Bibel eifrig und mir fielen viele Dinge auf, die wir ja ganz anders machten, als Gott sie uns in seinem Wort gebot.

Ich pflegte dann zu meinem Vater zu gehen, einem ausgebildeten Theologen. Er antwortete mir dann: „Das gilt nicht für uns, das gilt nur für die Juden.“

Mein Vater war ein bibeltreuer Mann mit einem Herzen, was auf seinen Schöpfer ausgerichtet war. Er erzog uns zum Gehorsam Gott und seinem Wort gegenüber und war einer jener seltenen Theologen, die Gottes Wort tatsächlich ernst nehmen und auch danach leben wollen.

So fiel mir dieser Gegensatz besonders auf in Bezug auf Schweinefleisch, Gottes Feste, dem Shabbat und vielem mehr.

Mein Vater lernte in seinem Studium, dass es einen Unterschied gebe zwischen dem, was für die Juden gilt und dem, was für die Christen gilt. Aber ist das, was seine Dozenten ihn lehrten wirklich biblisch?

Wenn man sich die Bibel nimmt und einmal durchliest, fällt einem eigentlich schon bei flüchtiger Betrachtung auf, dass das ja gar nicht stimmen kann.

Fangen wir vorn an. Im Garten Eden galten dieselben Gebote für den Mann und die Frau.

Genauso, wie später aus Ägypten ein Volk auszog, was mitnichten eins war in Abstammung und dergleichen. Es zog viel Mischvolk aus. So sagt die Schrift.

„Und es zog auch mit ihnen viel fremdes Volk….“ 2. Mose 12,38

Dennoch wird das Volk aufgeteilt in Abteilungen gemäß der 12 Stämme. Es gab kein Part für „fremd“.

Das lesen wir in der Ordnung, wie sich das Volk zu lagern hatte im 4. Buch Mose.

Erstaunlich auch, wie der Ewige immer und immer wieder betont, dass dasselbe Recht für alle gilt:

„Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein für den Fremdling, wie für den Einheimischen, ich bin JHWH, euer Gott. “ 3. MOSE 24, 23

Dieser Satz kommt immer und immer wieder vor. Offenbar gehört es zum Wesen unseres Gottes, dass er eben KEINE Unterschiede macht in seinem Volk.

Paulus hat versucht das in seinem Schreiben an die Römer deutlich zu machen:

„Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, abgehauen und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.“ Römer 11, 24

In Jeremia 11 lesen wir von Gottes Verzweiflung, weil sein geliebtes Volk worum er sich so gemüht hat, eigene Wege im Ungehorsam geht.

„Der JHWH nannte dich einen grünen, schönen, fruchtbaren Ölbaum; aber nun hat er mit großem Brausen ein Feuer um ihn anzünden lassen, so dass seine Äste verderben müssen.“ Jeremia 11,16

Auch in Hosea beschreibt Gott sein Volk: dass (Israel) so schön sei wie ein Ölbaum (Hosea 14,7).

Die Metapher, die Paulus verwendet ist also klar: Israel ist der Ölbaum, der über Jahrhunderte von Gott kultiviert, beschnitten, gehegt und gepflegt wurde. Durch Wüstenwanderung und Gesetzgebung, durch Sklaverei und Landnahme, durch Richter, Propheten und Könige, durch Sünde und Abfall, durch Reue und Umkehr, das war Gottes Geschichte mit seinem Volk. Dadurch wurde der Ölbaum Israel stark und fruchtbar.

Die Gläubigen aus den anderen Völkern, die ja diese Geschichte mit Gott gar nicht haben, sind aus dem wilden Ölbaum. Paulus beschreibt nun ganz klar, wie das geschieht. Die Gläubigen an Jeshua den Messias haben durch ihn Anteil und gelten genauso als Kinder Abrahams. Durch den Messias wird es möglich, dass sie dazu gehören zu Gottes Ölbaum, sie werden eingepfropft. Sie werden nun durch die Wurzel versorgt und müssen viel aufnehmen und lernen.

Damit das nochmal klar ist, der edle Baum kommt gut ohne den wilden Zweig aus, umgekehrt sieht es schlecht aus.

Paulus sagt es so:

„Du sollst wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich.“ Römer 11, 18b

Vielleicht sah Paulus schon Schatten dessen voraus, was wir nun haben, der Zweig versuchte den Baum zu übernehmen. Das Christentum tötete seine Wurzel ab. Was für ein Desaster. So kann das doch nicht funktionieren! Auch ohne Botanik studiert zu haben ist doch jedem klar, dass das wirkliche Leben in der Wurzel steckt und nicht im Zweig.

Meine Familie und ich entschlossen uns deshalb zur Wurzel zurück zu kehren. Wir hielten den Shabbat, hörten auf Schweinefleisch und Kaninchen zu essen und Weihnachten und Ostern zu feiern. Wir feierten die biblischen Feste, SEINE Feste.

Plötzlich stellte sich heraus, dass meine Oma mit dem Ablauf von Pessach sehr gut vertraut war und es aus ihrer Kindheit kannte, dass es sieben Tage ungesäuerte Fladen zu essen gab. Auch die Hamantaschen, die ich ihr zu Purim schickte, waren ihr vertraut. Ihre Vorfahren waren jüdisch, konvertierten aber, wie so viele, um Problemen aus dem Weg zu gehen.

Ein Gentest ergab ebenfalls eine jüdische Herkunft.

Wenn nun also die christliche Theologie besagt, das das, was die Schrift sagt, nur für die Juden gilt, was dann?

Vor 25 Jahren galt es für mich nicht, jetzt dann irgendwie schon?

Und wie viele, haben solche Herkunft ohne es zu wissen?

Wir sind ein Volk und wir gehören zu einem Gott und sein Wort gilt.

Paulus versucht es immer und immer wieder zu sagen:

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Epheser 2, 19

„So sage ich nun, und bezeuge in dem Herrn, dass ihr nicht mehr leben dürft, wie die Heiden leben in der Nichtigkeit ihres Sinnes. “ Epheser 4, 17

„Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, daß ihr zu jener Zeit ohne den Messias wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber im Messias seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut des Messias“. Epheser 2, 11 -13

Durch den Messias haben wir Teil an den Verheißungen und sind wir Teil von Gottes Volk.

Nun sollen wir das tun, was Gott seinem Volk gebietet. Wir können nicht Teil des edlen Ölbaums sein und uns weiterhin wild benehmen. Das konnten wir in Epheser 4, 17 schön lesen.

Wir sollen den Saft aus der Wurzel durch uns strömen lassen. Abrahams Glaube, sein Gehorsam, Isaaks Vertrauen auf die Verheißung, Jakobs Formung zu Israel all das steckt da drin, wir müssen Gottes Wort ernst nehmen! In Jeshua sind wir eingepfropft nun müssen wir lernen. Unsere Kultur ein Stück weit ablegen, SEINE Natur annehmen. Wer das Jüdische ablehnt, wird es schwer haben. Denn Jeshua, mein Messias, mein Erlöser und mein Vorbild, mein Herr und Meister war Jude. Er lebte nach Gottes Wort. Das soll ich auch tun. Biblisch jüdisch leben. Das ist das Ziel.

Shabbat Shalom!

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Veröffentlicht in: Lehre

2 Gedanken zu “Wohin gehöre Ich? Teil II

  1. Werner Stauder schreibt:

    Das hast Du wieder sehr schön und für jeden gut verständlich geschrieben liebe Christin. Ich kann darauf nur Amen! Amen! Amen! sagen. Du bist ein sehr wichtiges Instrument in der Hand G’ttes! Mach so weiter, shabat shalom!

    Liebe Grüsse von uns allen aus Hoorn

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