Josef und der ewige Neid 

Gedanken zu Parasha Wa‘ Jeschew – Er wohnte

In der Parasha, um die es an diesem Shabbat geht, könnte man zuerst auf ein Frauenproblem tippen: Neid wegen eines bunten Rockes. 

Aber das Problem haben hier 10 gestandene Männer, die gewiss nicht zimperlich sind. Es sind stolze Männer, denen ihr Ehrenkodex viel bedeutet.

In Sichem haben sie alle Männer entschlossen einen Kopf kürzer gemacht, als sie die Familienehre bedroht sahen:

„Durfte er denn an unserer Schwester wie an einer Hure handeln?“

Nun jedoch kommt die Bedrohung von innen. Josef ist Gehilfe bei Dan, Gad, Asser und Naftali, den Söhnen Bilhas und Silpas.

Kein Grund also Höhenflüge zu entwickeln. Jeder, der ältere Brüder hat, weiß, dass diese darauf achten jüngere Geschwister auf ihren Platz zu verweisen.

Unter Brüdern ist das Kräftemessen an der Tagesordnung.

Aber nun kommt eine wichtige Sache ins Spiel: der Vater liebt ihn mehr als alle seine Söhne. So sagt es die Schrift in 1. Mose 37, 3

Über den Rock, bzw. das Priestergewand hatten wir letztes Jahr bereits geschrieben. Dieses äußere Zeichen war aber nur ein Ausdruck seiner Einstellung, seiner Bevorzugung, die sich täglich vielfach den Brüdern zeigte.

Und doch scheint dieses Geschenk für sie ein Zeichen zu sein. Der Beweis für etwas, was sie immer schon gespürt und vermutet hatten.

„Als nun seine Brüder sahen, daß ihn ihr Vater lieber hatte….“ 1. Mose 37, 4

Es geht um den Status, den Josef hat, nur bedingt um den Rock.

Der Rock ist das äußere Zeichen, das Problem ist aber die Stellung in den Augen des Vaters.

Auch die Träume,  die Josef danach hat verschärfen dieses Problem: Josef scheint vom Vater und auch von Gott bevorzugt. Die Familienhierarchie funktioniert nicht mehr. Josef hält sich nicht an ungeschriebene Gesetze. Und der Vater nicht und Gott nun offenbar auch nicht.

Für die Brüder steigt der Hass, das Maß ist voll.

Geht es uns nicht manchmal auch so: warum hat derjenige dies und das bekommen? Hat Gott mich vergessen? Warum wird ein anderer scheinbar mehr gesegnet?

Warum muss ich mit Problemen fertig werden, die andere nicht kennen? Warum mutet Gott mir das zu?

Oft traf auf mich eine Stelle zu, wo Judas Leute beschreibt, die nicht so leben, wie es Gott gefällt, die Jeshua keine Ehre machen. Er beschreibt sie in etlichen Versen und schreibt dann:

„Diese murren und hadern mit ihrem Geschick…“ Judasbrief Vers 16

Das beschrieb mich ziemlich genau. Die griechischen Worte die hier verwendet wurden kann man mit ständig unzufrieden sein und sich beschweren, übersetzen.

Das scheint heute ganz normal zu sein und wir als Kinder Gottes lassen uns leicht anstecken. Wir übernehmen das, weil wir gar nicht wissen, das das nicht in Ordnung ist! So ging es mir auch.

Bis ich Dankbarkeit lernte. Bis ich lernte das zu sehen, was Gott mir schenkte jeden Tag.

Ich will das nicht. Ich will nicht murren und klagen und beneiden. Ich habe mich fest dazu entschlossen das Gute zu sehen und dankbar zu sein.

Dem natürlichen Menschen fällt das klagen und jammern leicht. Sprich nur einmal mit Leuten über das Wetter.

Aber wir geistlich gesinnte Menschen sollen so nicht sein.

Paulus schreibt:

„Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht.“ Philipper 4, 8

Es gibt Phasen, da fällt es uns leicht. Und es wird Zeiten geben, wo uns das schwer fallen wird. Es ist ein Training.

Und wie beim körperlichen Training gibt es gute und schlechte Tage, wichtig ist es dran zu bleiben und wenn unsere Gedanken und in die Richtung von Murren und Klagen ziehen wollen, dann sollten wir Widerstand leisten!

Warum ist das so ein Problem?

Die Brüder waren ja nicht allein auf Josef sauer, sondern letzten Endes auf Gott.

So ist es bei uns auch. Wenn wir neidisch sind und jammern, ist die Grundhaltung doch folgende:

Gott versorgt mich nicht richtig. Ich weiß genau, das das jetzt richtig gut für mich wäre und Gott gibt es mir nicht. Er liebt mich doch nicht genug oder schläft er?

David sagt:

„Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Psalm 23, 1

Er stellt sich diesem Denken damit entgegen. Er sagt: Gott versorgt mich mit allem. Was er mir nicht gibt, das brauche ich auch nicht. Ich vertraue ihm.

Diese Haltung wünsche ich mir. Aber die kommt nicht angeflogen.

Dazu brauchen wir Training. Viel Erfolg dabei und Shabbat Shalom!

„Lass den Unmut fern sein von deinem Herzen.“ Prediger 11, 10a

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